Doris Kettner
Kuratorentätigkeit / Demenz und Museum

Aschermittwoch der Künstler 2018: "Bitte stehen lassen! (wird Montag abgeholt)"

Eine Rauminstallation zum Themenkreis "Vergessen - Vergeben - Neuanfang" von Thorsten Mühlbach und Bruno Wank
für die Diözese Augsburg vom 14. bis 18. Februar 2018

St. Severinskapelle der ehem. JVA Augsburg

 

Reflexionen im Moment des Übergangs

Übervoll scheint die Kapelle, zugestellt mit Holzhisten, die Piktogramme fallen ins Auge - vermeintlich bekannt, doch neu. Das große Kreuz im Chor ist schon beinahe eingepackt, alle anderen Gegenstände sind nur noch durch die Silhouetten der Holzkisten erkennbar. Unsichtbar und dennoch da - vergessen? Sie werden wohl am Montag abgeholt. Bis Montag ist Zeit - Zeit zur Reflexion, zu einer Neuplanung, einer möglichen Neuausrichtung eines Außen oder eines Innen.

Die Aufmerksamkeit liegt auf dem Verpacktem - das Kreuz, der Altar, das geweihte Wasser. Das könnte Sicherheit vor dem Vergessenwerden geben.

Vergessen, Nichtvergessen, Vergessenwerden, Nichtvergessenwerden, Vergessenwerden, Nichtvergessenwerden - ein Gewirr. Vergessen schafft neue Kapazitäten, aber man verliert ein Teil von sich. Nichtvergessen - gibt Sicherheit, weil man Erlerntes behält, aber Ballast häuft sich an. Vergessenwerden - bedroht die Existenz! Nichtvergessenwerden - Nichtvergessenwerden! Eingebundensein.



Nichtvergessenkönnen bindet. Vergeben, Vergebenkönnen. Durch Vergebung nicht mehr Opfer sein - sich befreien.
Neues möglich machen. Aus der Asche heraus. Nichtvergebenwerden hält beide Seiten fest im Griff - dann doch der Kreuzweg.

Neuanfang als Horizont. Man nimmt das Verpackte mit, dennoch: die Hoffnung, die Möglichkeit.

Endgültige Urteile als Unmöglichkeit einer Chance.

Vergessen - Vergeben - Neuanfang. In unserer Gesamtheit als Mensch im ständigen Status eines Übergangs.